Neue Burattino-Spielstätte kostet drei Millionen Euro
Für die künftige Heimat des Kinder- und Jugendtheaters auf Schloss Hoheneck investiert die öffentliche Hand richtig Geld.
Spätestens 2019 soll alles fertig sein. Bis dahin werden keine weiteren Kinder aufgenommen.
Von Björn Josten erschienen am 24.11.2016

Stollberg. Aus dem ehemaligen Frauengefängnis wird eine Kultureinrichtung mit jetzt schon drei Säulen. Der Westflügel
von Schloss Hoheneck muss dazu für zusätzliche drei Millionen Euro als neue Spielstätte des Kinder- und Jugendtheaters
Burattino hergerichtet werden. Somit bildet das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) neben der Wissenschaftsschau "Phänomenia"
und der Gedenkstätte die dritte Säule. Damit verbunden ist die Zusage für den Fortbestand für 15 Jahre.
Das TPZ war zwar nicht Teil der Konzeption des bisher mit 5,4 Millionen Euro kalkulierten Projektes, fügt sich aber in die
Überlegungen ein.
Zwar wird seit Frühjahr hinter den Kulissen an den Umzugsplänen gearbeitet, doch belastbare Informationen für die Elternschaft
oder die interessierte Öffentlichkeit gab es nicht. Erst in der vergangenen Woche wandte sich der Landkreis mit einem ziemlich
vage formulierten Brief an die Eltern und das ebenfalls im TPZ beheimatete Thea(l)ternativ-Ensemble. Nicht erwähnt wurde darin
allerdings, dass während der Übergangszeit, die im "Dürer" bestritten wird, keine neuen Kinder in das Ensemble aufgenommen
werden. Das gibt zum einen die Kapazität der Übergangsspielstätte nicht her und zum anderen sollen sich die am
TPZ Beschäftigten in die Planungen für die neue Spielstätte auf Schloss Hoheneck einbringen.
Diesbezüglich ist nun alles in trockenen Tüchern, sodass der Landkreis die Karten öffentlich auf den Tisch legt. Das dritte
und vierte Obergeschoss wird ausgebaut. In dem ehemaligen Kirchen- und späteren Kinosaal werden auf rund 330 Quadratmetern
Bühne und Zuschauerraum untergebracht. Fundus, Werkstätten, Büros und Schauspielergarderoben sind in den dahinterliegenden
Nebenräumen geplant. Dafür stehen je Etage etwa 240 Quadratmeter zur Verfügung.
Zurzeit läuft das Vergabeverfahren für die Planungsleistungen. Ab Januar werden diese für die Erarbeitung des Fördermittel
und Bauantrages beauftragt. Spätestens Anfang 2019 soll das neue Kinder- und Jugendtheater bezugsfähig sein. Bauherr ist dabei
die Stadt Stollberg. Finanziert wird das Vorhaben zu zwei Dritteln aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost. 630.000 Euro
gibt der Erzgebirgskreis dazu und weitere 370.000 Euro trägt die Stadt Stollberg. Die kommt auch für die notwendige
Instandsetzung des Daches auf. Welche Modalitäten später für die Nutzung der ausgebauten Räumlichkeiten gelten, muss noch
besprochen werden. "Ich denke, wir werden die Betriebskosten erstattet bekommen und einen Beitrag zur Instandhaltung erheben",
sagt Jana Walter, Stadtplanerin bei der Stadt Stollberg.
Theaterleiterin Annekathrin Rottstädt-Hänel hofft auf neue Zuschauergruppen, wenn das Burattino ab Sommer 2017 übergangsweise
ins "Dürer" wechselt. So jedenfalls hat es Oberbürgermeister Marcel Schmidt in der jüngsten Ratssitzung kommuniziert.
Bei den Aktiven herrscht weniger Freude über die Übergangsspielstätte. "Wir sind extrem unzufrieden mit dieser Zwischenlösung",
sagt Marcel Colditz, Ressortleiter Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit des neben Burattino und Thea(l)ternativ dritten
TPZ-Ensembles "Limited Edition". Problematisch sieht er vor allem die um rund zwei Drittel geringere Zuschauerkapazität -
ins "Dürer" passen nur rund 90 Zuschauer - sowie die bisher ungeklärte Licht- und Techniksituation. Für Auszug sowie Ausbau
und fachgerechte Einlagerung von Bühne und Technik sowie Saalbestuhlung und -verdunkelung kalkuliert der Kulturelle
Bildungsbetrieb mit etwa 15.000 Euro. Dazu kommen Mietkosten für die Nutzung des "Dürers" an die Stadt Stollberg.
Das geht aus einem Brief des Landkreises an eine Fraktion des Kreistages hervor. (mit bmo)
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(Freie Presse STOLLBERGER ZEITUNG vom Donnerstag, 24. November 2016)