Kritik an Stadt und Kreis

Sehr emotional ist die Bürgerversammlung zu den Umzugsplänen des Burattino-Theaters gewesen. Und Stollbergs Oberbürgermeister zeigte Nerven.

Von jan Oechsner erschienen am 07.12.2016

Stollberg. Mit teils lauten Wortbeiträgen und viel Applaus wurde die Informationspolitik der Verantwortlichen hinsichtlich des Umzugs und der Zukunft des Kinder- und Jugendtheaters Burattino kritisiert. Etwa 100 Leute waren vergangenen Montagabend im Stollberger Bürgersaal, eingeladen von Oberbürgermeister Marcel Schmidt. Anwesend waren auch Vertreter von Landkreis und Krankenhaus.

"Wir sind nicht informiert worden von Ihnen. Das ist keine Wertschätzung der Kinder, der Eltern, der vielen Ehrenamtler des Theaters", so etwa eine erboste Mutter. Sascha Wildenhain kritisierte, dass mittlerweile die "Messen gesungen" seien, was die Pläne betrifft, die nun endlich offiziell vorgestellt würden. Andere fühlten sich schlicht überrumpelt von den Verantwortlichen.

An den Umzugsplänen für das mit Steuergeld finanzierte TPZ wird schon lange gearbeitet, ohne offizielle Informationen für Eltern und Öffentlichkeit. "Freie Presse" berichtete trotzdem oft. Der Landkreis - er betreibt das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ), zu dem das Burattino gehört - informierte Eltern und das ebenso im TPZ beheimatete Ensemble Thea(l)ternativ erst kürzlich.

Unerwähnt blieb darin, dass während der Übergangszeit in der verhältnismäßig kleinen Begegnungsstätte "Dürer" keine neuen Kinder ins Ensemble aufgenommen werden. Ein Redner befürchtete daher eine "demografischen Krise" im Ensemble. Eine Frau betonte: "Die Kinder wollen jetzt in die Nachwuchsgruppe, nicht später. Dann sind sie in der Pubertät und wir haben sie verloren als Mitstreiter." Sie befürchtete, dass es zudem zu Verzögerungen komme, wie oft bei großen Baumaßnahmen. Das verneinte OB Schmidt. Zudem sagte er, dass noch nicht alle Fördergelder für das Vorhaben stünden und daher nicht überstürzt informiert wurde. Und: Die Ensembles könnten in der Übergangszeit auch sechs Mal im Jahr im Bürgergarten auftreten, inklusive Proben, so Schmidt.

Spätestens Anfang 2019 soll das neue Burattino auf Schloss Hoheneck bezugsfähig sein - verbunden mit der Zusage für den Fortbestand für 15 Jahre. Aber: das Ensemble muss schon bald sein jetziges Domizil am Kreiskrankenhaus verlassen - die Klinik braucht die Räume selbst. Es entsteht eine zeitliche Lücke von mindestens zwei Jahren. Neben dem Burattino kommen die Wissenschaftsschau "Phänomenia" und die Gedenkstätte auf Hoheneck.

Nach etwa zwei Stunden Debatte war die Veranstaltung im Bürgergarten, die Schmidt zum Teil zu entgleiten drohte, zu Ende. Er sagte zudem, die Presse wollte Unruhe stiften, indem sie berichtet hat. Zu einem kritischen Anwesenden sagte er: "Gehen Sie doch raus und kommen Sie wieder, wenn Sie das, was ich sage nicht hören wollen."

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(Freie Presse STOLLBERGER ZEITUNG vom Samstag, 26. November 2016)