ZUM Wochenende : Vertrauen verspielt

Von Björn Josten erschienen am 26.11.2016

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl hat einmal gesagt: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt." Gemessen daran haben die Verantwortlichen im Landkreis beim Umzug des Theaterpädagogischen Zentrums (TPZ) alles richtig gemacht. Eine für drei Millionen Euro neu geschaffene Spielstätte in Schloss Hoheneck wertet dieses Objekt weiter auf und bedeutet auch für das TPZ eine Verbesserung.

Also alles gut? Mitnichten. Denn bis Hoheneck bezugsfähig ist, muss das TPZ die Zeit im "Dürer" überbrücken. Auch wenn die Theaterleitung sich bemüht, das als Chance zu verkaufen, ist es doch eine Notlösung mit mehr Nach- als Vorteilen. Mit dem Thea(l)ternativ fällt bereits ein TPZ-Ensemble hinten rüber. Auf das Kinder- und Jugendtheater Burattino hat die beengte Übergangsspielstätte auch Auswirkungen. Es werden ab sofort keine neuen Theaterkinder mehr aufgenommen und damit das Erfolgskonzept - wenn auch übergangsweise - über Bord geworfen: dass die jüngeren Kinder von den älteren lernen. Zudem werden bei "Heimspielen" deutlich weniger Besucher Platz finden. Das wirkt sich auf die Einnahmen aus. Die hatte das Staatliche Rechnungsprüfungsamt Zwickau bereits bei der alten Spielstätte im Blick, als die Eintrittskartenpolitik der Theaterleitung kritisiert wurde.

Somit stellen sich einige Fragen: Hätte die Bauplanung für Krankenhaus und Hoheneck nicht besser koordiniert werden können? Warum wurde das Angebot aus Oelsnitz ausgeschlagen, die dortige Stadthalle übergangsweise zu nutzen? Warum halten Theaterleitung und Landkreis so lange mit Informationen hinter dem Berg? Mit dieser Salamitaktik hat die Theaterleitung Vertrauen verspielt - und das ist in der Jugendarbeit Gift. Unnötig - vor allem mit dem Pfund "TPZ auf Hoheneck" in der Hinterhand.

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(Freie Presse STOLLBERGER ZEITUNG vom Samstag, 26. November 2016)