Theatermacher wollen klare Aussagen

Das Thea(l)ternativ wollte nächstes Jahr eigentlich sein 20-jähriges Bestehen groß feiern. Stattdessen bangen die Mimen jetzt um ihre Zukunft: Wegen der Schließung des Theaterpädagogischen Zentrums suchen sie dringend eine Spielstätte.

Von Cristina Zehrfeld erschienen am 22.11.2016
Das Ensemble Thea(l)ternativ sucht eine neue Spielstätte. Das Bild zeigt Ines Rau und Christian Schreier in Aktion. Foto: Christina Zehrfeld


Stollberg. Die Premiere des "König Ödipus" ist vor einer Woche erfolgreich über die Bühne gegangen, doch die anschließende Dankesrede von Regisseurin Silke Bauer-Hollenbach sorgt inzwischen für heftige Reaktionen. Statt den Applaus zu genießen, hatte sie sehr emotional ihre Sorge um die Zukunft von Kinder- und Jugendtheater Burattino, Jugendgruppe Limited Edition und Erwachsenentheater Thea(l)ternativ bekundet. Alle drei Ensembles nutzen das Haus bisher als Proben- und Auftrittsort. Silke Bauer-Hollenbach sorgt sich nicht nur um die eigene Theatergruppe, sondern auch um die Jüngsten, die Burattinos: "Die meisten von uns fragen sich ehrlich besorgt, wie konnte es dazu kommen, dass Dutzende von Theaterkindern ihrer kreativen und sinnstiftenden Freizeitbeschäftigung beraubt werden, ohne dass adäquater Ersatz gefunden wurde?"

Ihre Kritik bezieht sich nicht auf die geplante neue Spielstätte Hoheneck, sondern auf die Zeit, bis man dort überhaupt einziehen kann. Das soll frühestens Ende 2018, vermutlich erst 2019 sein. Das heißt: Mindestens zwei Spielzeiten müssen überbrückt werden. Doch warum reagieren die "Theas" erst jetzt? "Freie Presse" hatte am 23. Juli über die bevorstehende Schließung berichtet. Silke Bauer-Hollenbach verdeutlicht: "Wenn wir unsere Kraft sofort in diese Problematik investiert hätten, dann wäre die Premiere nicht zu stemmen gewesen. Wir stehen alle voll im Berufsleben." Doch wussten die Theas schon früher Bescheid? In einem Schreiben, welches Andreas Stark, der Beigeordnete des Landkreises, und Susanne Schmidt, Betriebsleiterin Kultureller Bildungsbetrieb, am 15. November an Eltern, Kinder und Freunde des Burattino sowie an Thea(l)ternativ geschickt haben, heißt es: "In den vergangenen Monaten haben wir Sie bereits über die geplante neue Spielstätte informiert." Jan Edelmann, der Vorsitzende des "Thea"-Vorstandes widerspricht energisch: "Wir wurden überhaupt nicht informiert, sondern haben von der Schließung erst durch den Bericht in der ,Freien Presse' erfahren." Das Schreiben ist die einzige öffentliche Stellungnahme seitens der Verantwortlichen des Erzgebirgskreises. Gemunkelt wurde schon länger, doch Edelmann sagt: "Da wir nichts in der Hand hatten, habe ich das als unausgegoren erachtet. Ich hatte keinen Anlass, nach einem Zeitplan zu fragen."

Inzwischen steht fest: Mitte nächsten Jahres ist im TPZ Schluss. Das denkmalgeschützte Haus soll umgebaut werden und künftig Verwaltung und ein Medizinisches Versorgungszentrum beherbergen. Die Mimen suchen also nun händeringend nach einer für sie praktikablen Lösung, mit der sie die Zeit bis zur Fertigstellung der Theaterräume in Hoheneck überleben können. Die angebotene Alternative im Dürer funktioniert nur zum Teil. Jan Edelmann: "Als Probenstätte ist das eine Übergangsmöglichkeit, aber für Auftritte ist es gänzlich ungeeignet." Sowohl die Clubbestuhlung, als auch die zu geringe Raumgröße stehen Auftritten entgegen. Silke Bauer-Hollenbach: "Eine Möglichkeit für uns wären Gaststätten, die über Säle verfügen. Gablenz oder Gornsdorf wären denkbar. Aber für solche Orte werden volkstümliche Aufführungen gebraucht. Da sind unsere Stücke, also klassische Komödien mit einem Hang zur Tragödie, völlig ungeeignet."

Jan Edelmann favorisiert deshalb andere Spielstätten: "Der Bürgergarten Stollberg oder die Stadthalle Oelsnitz kämen in Frage. Dazu will ich in den nächsten Tagen mit den jeweiligen Bürgermeistern reden." Die perfekte Lösung wird es dabei wohl nicht geben, denn bei beiden Häusern haben die Theas auch Bedenken: Beim Bürgergarten sehen sie vor allem Schwierigkeiten bei der Akustik. Zudem gebe es beim dichten Veranstaltungsplan kaum noch freie Termine. In der Oelsnitzer Stadthalle ist der große Saal und die hohe Miete problematisch. "Es ist spät, aber nicht zu spät, um Alternativen zu suchen. Wir wollen jetzt auch erreichen, dass es genaue Informationen gibt und eine Diskussion angeschoben wird", so Jan Edelmann. Das erwähnte Schreiben ist in Bezug auf Informationen ziemlich dünn; dort heißt es: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass genaue Angaben zu Ablaufplänen und Fertigstellungsterminen momentan noch nicht möglich sind."

Silke Bauer-Hollenbach - Mitglied Thea(l)ternativ Foto: Christina Zehrfeld




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(Freie Presse STOLLBERGER ZEITUNG vom Dienstag, 22. November 2016)